{"id":53,"date":"2014-02-13T17:25:13","date_gmt":"2014-02-13T17:25:13","guid":{"rendered":"http:\/\/hrachovec.philo.at\/?page_id=53"},"modified":"2014-02-13T17:25:13","modified_gmt":"2014-02-13T17:25:13","slug":"brief-nach-kla-gos","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrachovec.philo.at\/?page_id=53","title":{"rendered":"Brief nach Kla&#8230;gos"},"content":{"rendered":"<p><center style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\"><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><strong>Eine Diskussionsvorlage zum Tele-Seminar &#8222;Rassismus und Philosophie&#8220; Sommersemester 2000.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Diskriminierung, neutral<\/strong><\/p>\n<p><\/center><\/p>\n<p>&nbsp;Die K\u00e4rntner Sprechweise unterscheidet sich von anderen \u00f6sterreichischen Dialekten. In zahlreichen ausl\u00e4nderfeindlichen \u00c4u\u00dferungen klingt diese Mundart mit. Ein solcher Ton erregt bei Gegnern der freiheitlichen Ausl\u00e4nderpolitik tiefes Unbehagen.<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\">Die Bewegungsabl\u00e4ufe von Schwarzen unterscheiden sich von jenen der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung. Zum Beispiel tanzen sie anders. Ihre K\u00f6rpersprache irritiert Anh\u00e4nger der freiheitlichen Ausl\u00e4nderpolitik.<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\">&nbsp;<\/p>\n<p><center style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\"><strong>Diskriminierung, aggressiv<\/strong><\/center><\/p>\n<p>&nbsp;Ich kann keine K\u00e4rntner mehr h\u00f6ren. Ausgliederung K\u00e4rntens aus dem \u00f6sterreichischen Bundesstaat!<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\">Der bewegt sich wie im Urwald. Ausl\u00e4nder raus!<\/p>\n<p><center style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\"><strong>Diskriminierung, unterbunden<\/strong><\/center><\/p>\n<p>&nbsp;In \u00d6sterreich werden eine gro\u00dfe Zahl unterschiedlicher Dialekte gesprochen. Meist sind sie regional verankert. Mit zunehmender Mobilit\u00e4t verwischen sich die Unterschiede. Den Inhalt eines Satzes ber\u00fchrt die Mundart nicht.<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\">Menschen bewegen sich je nach ihrem K\u00f6rperbau, der regionale Unterschiede aufweisen kann. Solche Bewegungsarten h\u00e4ngen au\u00dferdem mit unterschiedlichen T\u00e4tigkeiten und sozialem Status zusammen. Sie sagen keinesfalls etwas \u00fcber den Wert der Person.<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\">&nbsp;<\/p>\n<p><center style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\"><\/p>\n<h2>Zehn \u00dcberlegungen zu Diskriminierungen<\/h2>\n<p><\/center><\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\"><strong>1<\/strong>&nbsp;Die unterbundene Diskriminierung sichert den Standard des vernunftgeleiteten, respektvollen Umgangs mit Unterschieden in multi-funktionellen, vielfach geschichteten Gesellschaften. Konfrontiert mit den Differenzen, \u00fcber die sie empfiehlt, sich hinwegzusetzen, ist das Verfahren eigent\u00fcmlich hilflos.<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\"><strong>2<\/strong>&nbsp;Der politische Erfolg unterbundener Diskriminierung erkl\u00e4rt sich unter anderem dadurch, da\u00df die aggressive Diskriminierung sich in mehreren wichtigen Punkten als destruktiv und st\u00f6rend f\u00fcr die Entwicklung von Wohlstand erwiesen hat. Ha\u00df baut keine Fabriken; die Verfolgung Andersf\u00e4rbiger erschwert Handelsbeziehungen.<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\"><strong>3<\/strong>&nbsp;Die Funktionsf\u00e4higkeit des politischen Regimes der Nicht-Diskriminierung h\u00e4ngt ma\u00dfgeblich an der kontinuierlichen Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t, die es den Beteiligten bietet. Dabei ist zu beachten, da\u00df die \u00fcberwiegende Mehrheit der Mitglieder einer solchen nicht-diskriminierenden Gesellschaft zufriedengestellt werden m\u00fcssen. Das ist die Ambition des Ideals: Es spricht von allen Teilnehmerinnen (m\/w) am ,,Gesellschaftsvertrag&#8220; in gleicher Weise.<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\"><strong>4<\/strong>&nbsp;Offenbar wird jedoch der Fortschritts-Profit in den westlichen Industriegesellschaften zunehmend ungleich verteilt. Unter anderem durch die Auslagerung der Produktion in L\u00e4nder mit niedrigerem Lohnniveau und durch die Konkurrenz am heimischen Arbeitsmarkt entsteht eine zunehmende Diskrepanz zwischen den Profiteuren der Globalisierung und jenen, die sich um den Anteil am Produktivit\u00e4tszuwachs gebracht sehen. Sie brechen die Tabus gegen aggressive Diskriminierung, weil sie sich selbst als diskriminiert betrachten.<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\"><strong>5<\/strong>&nbsp;In dieser Situation verfehlt die Berufung auf die Ideale der Nicht-Diskriminierung das spezifische Problem. Zwischen jenem Teil der Bev\u00f6lkerung, der von der \u00d6ffnung der M\u00e4rkte Gewinn zu erwarten hat, und jenem, der tendentiell darunter leidet, geht der Konsens verloren. Ein Baumeister ist wegen der billigen Arbeitskr\u00e4fte f\u00fcr die Osterweiterung; ein Mauerer wird sich nicht verpflichtet f\u00fchlen, diese Politik mit zu tragen. Aus welchem Grund soll er seine Wut zur\u00fcckhalten?<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\"><strong>6<\/strong>&nbsp;Diese kurze &#8212; und ziemlich laienhafte &#8212; politische Orientierung f\u00fchrt zur Frage, woran sich philosophisch motiviertes Eintreten gegen Diskriminierung gegenw\u00e4rtig halten soll. Einfach der Erfolgsgeschichte der Koalition von Aufkl\u00e4rungsglauben und Expansion der Weltwirtschaft zu folgen, ist eine defensive Strategie. Eine &#8212; zugegeben riskante &#8212; Alternative w\u00e4re der Ansatz bei jenen Unterschieden, von denen das Gleichberechtigungsdenken abstrahiert. Insofern sich dessen Versprechungen faktisch als diskriminierend (zwischen wohlhabend und weniger wohlhabend) herausgestellt haben, k\u00f6nnte es darum gehen, die Logik der Ungleichheit unter die Lupe zu nehmen.<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\"><strong>7<\/strong>&nbsp;Die Untersuchung politisch brisanter Differenzierungen tut gut daran, das Augenmerk auf die neutrale, statt auf die aggressive Diskriminierung zu richten. Im zweiten Fall prallen Positionen aufeinander; im ersten ergibt sich die M\u00f6glichkeit, genauer zu diskutieren, wie sich binnengesellschaftliche Unterschiede gef\u00e4hrlich zuspitzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\"><strong>8<\/strong>&nbsp;Die Beispiels\u00e4tze zu Beginn erf\u00fcllen die Wimmerschen Rassismus-Kriterien. Im Zustand unterbundener Diskriminierung sind sie unerw\u00fcnscht und gelten als gef\u00e4hrlich. Dennoch handelt es sich um Behauptungen, denen &#8212; abstrakt genommen &#8212; schwer zu widersprechen ist. Man kann darauf verweisen, da\u00df ,,so etwas&#8220; besser nicht \u00f6ffentlich gesagt wird, weil es leicht zu Mi\u00dfbrauch f\u00fchrt. Es bleibt ein Faktum, da\u00df der Sachgehalt solcher Aussagen gesellschaftliche Probleme indiziert, denen nicht damit gedient ist, da\u00df die einschl\u00e4gigen Unterscheidungen um eines h\u00f6heren Wertes willen einfach \u00fcbergangen werden.<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\"><strong>9<\/strong>&nbsp;Politisches Leben besteht im Streit unterschiedlicher, semi-konstanter Interesssensvertretungen um die friedliche Verteilung des gesellschaftlich erarbeiteten Mehrwerts. Unbeschadet Jahrhunderte alter Prinzipien ist dieser Proze\u00df keineswegs hinreichend durchsichtig oder gar abgeschlossen. Tiefgreifende Ungleichheiten, verbunden mit Geschlechtszugeh\u00f6rigkeit, regionaler sowie sozialer Herkunft und Gesundheitszustand, charakterisieren den status quo. Solche Befindlichkeiten werden oft k\u00fcrzelhaft erfa\u00dft. Konstanten, Klischees und Vorurteile sind Symptome, \u00fcber die man hinwegsehen kann. Allerdings gehen damit auch wichtige Informationen verloren.<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\"><strong>10<\/strong>&nbsp;Der Antcarinthismus geh\u00f6rt, ebenso wie der Philo-Afrikanismus, zu den Versuchen, sich die Welt mit Hilfe begrenzt verf\u00fcgbarer Differenzierungsmuster zurechtzulegen. Das gleiche gilt f\u00fcr die Gegenpositionen. Diesen Konflikt durch das Verbot neutraler Diskriminierung zu entsch\u00e4rfen hei\u00dft, sich in eine Wunschwelt zu verabschieden. Nicht mehr zwischen k\u00f6rperlich und kulturell verankerten Lebensformen zu unterscheiden und zu werten, weil damit Diskriminierungen verbunden sind, ist ehrenwerte Enthaltsamkeit. Allerdings fehlt ihr ein gewisser Halt. Wie soll das gehen: F\u00fcr&nbsp;die Andersartigkeit fremder Menschen eintreten und das eigene K\u00f6rpergewicht ignorieren?&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Times New Roma\nn'; font-size: medium;\">&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium;\"><strong>\u00a9 Herbert Hrachovec<\/strong><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Diskussionsvorlage zum Tele-Seminar &#8222;Rassismus und Philosophie&#8220; Sommersemester 2000. &nbsp; Diskriminierung, neutral &nbsp;Die K\u00e4rntner Sprechweise unterscheidet sich von anderen \u00f6sterreichischen Dialekten. In zahlreichen ausl\u00e4nderfeindlichen \u00c4u\u00dferungen klingt diese Mundart mit. 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