{"id":675,"date":"2016-09-17T18:08:40","date_gmt":"2016-09-17T18:08:40","guid":{"rendered":"http:\/\/krach.philo.at\/?page_id=675"},"modified":"2016-09-17T18:08:40","modified_gmt":"2016-09-17T18:08:40","slug":"es-war-einmal-in-hollabrunn","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrachovec.philo.at\/?page_id=675","title":{"rendered":"Es war einmal in Hollabrunn"},"content":{"rendered":"<p><strong>Herbert Hrachovec:  Schattenseiten und Halbwahrheiten<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich spielen beide mit gezinkten Karten. Das ,,Profil&#8222; ver\u00f6ffentlicht Unterlagen, \u00fcber die es seit l\u00e4ngerem verf\u00fcgt, zum optimalen Zeitpunkt. Kardinal Gro\u00ebr im Ruhestand gibt nicht soviel Publicity. Manche Kirchenm\u00e4nner, die entr\u00fcstet protestieren, wissen es besser. Gro\u00ebrs auffallendes Interesse f\u00fcr Knaben in der Hollabrunner Zeit ist in diesen Kreisen ein offenes Geheimnis. Beide Seiten haben ihre Gr\u00fcnde, Halbwahrheiten zu verk\u00fcnden. Das Thema rei\u00dft un\u00fcbersehbar viele Fragen auf, von der psychischen Besch\u00e4digung einer Person bis zur Weltpolitik Papst Johannes Paul II. Ich kann einige Fakten zur besseren Beurteilung der umstrittenen Sache beisteuern.<\/p>\n<p>Dr. Gro\u00ebr hat mir mehrere Jahre hindurch unerw\u00fcnschte Z\u00e4rtlichkeiten aufgedr\u00e4ngt. Die Umst\u00e4nde waren dieselben, die Josef Hartmann beschreibt. Innerhalb der Konstruktion eines ,,geistlichen F\u00fchrers&#8222; und Beichtvaters war reichlich Gelegenheit, die verklemmte Sexualit\u00e4t des Sch\u00fclers auszuhorchen und mit Hilfe des S\u00fcndenkatalogs zu manipulieren, um daraus ein br\u00fcnstiges Schauspiel zu gewinnen. Die k\u00f6rperlichen Intimit\u00e4ten endeten in meinem Fall bei langen Umarmungen, in denen offensichtlich mehr erwartet wurde. Einmal das Angebot von Massage und eine beinahe gewaltsame Zudringlichkeit. Das im ,,Profil&#8222; dokumentierte Muster ist v\u00f6llig glaubhaft. Ohne Kenntnis der Details im pr\u00e4sentierten Einzelfall zweifle ich nicht an der Richtigkeit der Darstellung Hartmanns.<\/p>\n<p>Es ist m\u00f6glich, mit Tatsachen zu l\u00fcgen. Fakten sind immer in Kontexte eingebettet und \u00e4ndern ihr Aussehen bei unterschiedlicher Beleuchtung. Einige Angaben zur Stellung Dr. Gro\u00ebrs in der Provinzstadt der 60-er Jahre erg\u00e4nzen das Bild des Geschehenen. Man kann ihn Querkopf oder einen bunten Vogel nennen. Im Dauerkonflikt mit dem lokalen Pfarrer, der Leitung des Gymnasiums, der Redaktion der ,,Heimatzeitung&#8222; und der Hollabrunner Schickeria stach er als parf\u00fcmiertes, intellektuelles, alt-\u00f6sterreichisches Faktotum heraus; eine Romanfigur zwischen Doderer und Herzmanovsky-Orlando. Sein Auftreten sprengte den \u00f6den Horizont der Etablierten. Ich fand das faszinierend.<\/p>\n<p>Unersch\u00f6pflich wie die Provokationen war Gro\u00ebrs Energie in der Organisation von Gegenwelten unter seiner geistlichen Kontrolle. Er f\u00fchrte Sonntag vormittags ein ,,open house&#8222;, gr\u00fcndete Gruppen von Pfadfindern und der Legio Mariae. Seine Idee war es, im erzbisch\u00f6flichen Knabenseminar ein Aufbaugymnasium zum Einstieg in den 2. Bildungsweg einzurichten. Das ganze kr\u00f6nte er mit der Erfindung der Wallfahrt nach Maria Roggendorf, inklusive Errichtung eines Frauenklosters. Ein gn\u00e4diges Schicksal h\u00e4tte ihn dort als Wallfahrtsdirektor alt werden lassen. Die Schattenseite seiner Existenz w\u00e4re vermutlich nicht ans Licht gekommen. Im Weinviertel war er eine bemerkenswerte Pers\u00f6nlichkeit, als Kardinal von Wien eine blanke Katastrophe.<\/p>\n<p>Ich schrieb von unerw\u00fcnschten Z\u00e4rtlichkeiten. Auch das ist nur bedingt wahr. Im Tagebuch der damaligen Zeit finden sich mehrere von Dr. Gro\u00ebr begeisterte Eintragungen und keine einzige, die den leichten Ekel beschreibt, dessen ich mich entsinne. Der pers\u00f6nliche Grund, sich in die Debatte einzumischen, liegt darin: Mir ist klar geworden, da\u00df die unausgegorene Mischung von Faszination und verkorkstem K\u00f6rperkontakt Methode hat und Langzeitfolgen nach sich zieht. In meinem Urteil brachte die (heute w\u00fcrde ich sagen: falsch gepolte) oppositionelle Energie mehr, als die Schmierigkeit nehmen konnte. Doch das Problem hat eine \u00fcber die Individualgeschichte hinausgehende Seite.<\/p>\n<p>Die \u00dcberblendung von geistig-emotionaler Bewunderung und k\u00f6rperlichem Abscheu ist typisch f\u00fcr Szenarien des Mi\u00dfbrauchs. Als Eingriff in die pers\u00f6nliche Integrit\u00e4t innerhalb eines Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisses bewirkt er eine tiefe Ambivalenz. Die Liebe der Mi\u00dfbrauchten spaltet sich in Idealisierung und Leibfeindlichkeit. Dem Herrn geh\u00f6rt die Seele, der K\u00f6rper dem Widersacher. Das ist seit Jahrhunderten Kirchendoktrin und kein Grund zur Verwunderung. So kommt es, da\u00df ein Herr sich vor der Veteufelung des K\u00f6rpers noch etwas daran g\u00fctlich tut. Aus heutiger Sicht w\u00fcrde ich sagen: ein armes Schwein.<\/p>\n<p>Das unverzeihliche Verhalten des jetzigen Kardinals enth\u00e4lt ein K\u00f6rnchen Wahrheit. Befreiung aus den engen Kreisen des Provinzialismus erfordert irregul\u00e4re Mittel. Es ist fast schon wieder witzig, da\u00df die kirchlichen W\u00fcrdentr\u00e4ger, die unabl\u00e4ssig vom Schutz des Lebens, der Kinder und der Familie sprechen, dem L\u00fcstling die Mauer machen. Ich empfand sein Wirken damals hilfreicher als alles, was die katholische Aktion zu bieten hatte. Unfriede seiner Masche.<\/p>\n<p>hh<br \/>\nSun Sep 1 10:11:57 MET DST 1996<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herbert Hrachovec: Schattenseiten und Halbwahrheiten Nat\u00fcrlich spielen beide mit gezinkten Karten. 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