{"id":72,"date":"2014-02-25T13:01:14","date_gmt":"2014-02-25T13:01:14","guid":{"rendered":"http:\/\/hrachovec.philo.at\/?page_id=72"},"modified":"2014-02-25T13:01:14","modified_gmt":"2014-02-25T13:01:14","slug":"gesetzwidrigkeiten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrachovec.philo.at\/?page_id=72","title":{"rendered":"Gesetzwidrigkeiten"},"content":{"rendered":"<p class=\"p\">&nbsp;Geschrieben f\u00fcr das Kunstprojekt&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.steinbrener-dempf.com\/index.php?article_id=6\">Operation Figurini<\/a>&nbsp;von Christoph Steinbrener.<\/p>\n<p class=\"p\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p\">Begriffe k\u00f6nnen einander erg\u00e4nzen wie Masse und Medien. Oder sie sto\u00dfen einander ab: Demokratie und Diktatur. Eine andere Variante sind spannungsgeladene Zusammenstellungen, etwa Kirche und Staat, Geist und K\u00f6rper, auch Natur und Gerechtigkeit. Fl\u00fcchtig betrachtet liegen physische Abl\u00e4ufe und Rechtsordnungen so weit auseinander, da\u00df \u00dcberschneidungen fehlen. Dennoch ist nicht ausgeschlossen, da\u00df sie heftig interferieren.<\/p>\n<p class=\"p\">Ein typisches Konfliktfeld ist &#8222;Naturgesetz&#8220;. L. Wittgenstein vertritt die eine Position: &#8222;Der Glaube an den Kausalnexus ist der Aberglaube.&#8220; (Tractatus Logico-Philosophicus 5.1361) Nach dieser Auffassung hat der Gang der Dinge nichts mit menschlichen Eingriffen zu tun. &#8222;Die Welt ist unabh\u00e4ngig von meinem Willen.&#8220; (6.373) So argumentiert die philosophische Richtung, die sich von der Illusion anthropomorpher Weltordnungen freihalten m\u00f6chte. Wir d\u00fcrfen das Naturgeschehen nicht als Kosmos interpretieren. Und was ist mit Umweltverschmutzung oder dem Irakkrieg? Das Weltgeschehen ist offensichtlich doch auch vom menschlichen Willen abh\u00e4ngig. Gesetze (oder Gesetzesverst\u00f6\u00dfe), welche Sozialverb\u00e4nde kennzeichnen, wirken sich auf die materielle Umwelt aus.<\/p>\n<p class=\"p\">&nbsp;Gesetze implizieren Gerechtigkeit. Sofern sie nicht auf der Zustimmung der Betroffenen beruhen, gelten sie als Willk\u00fcr. Es ist schon eigenartig, da\u00df die Sprache eben diesen Ausdruck auch dazu verwendet, um Abl\u00e4ufe zu charakterisieren, die mit Konsensbildung wahrlich nichts zu tun haben. Jahrhundertelang schien selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df ein h\u00f6herer Wille hinter den Naturgewalten steht. Die g\u00f6ttliche Gerechtigkeit war stellenweise schwer durchschaubar, doch offensichtlich eher akzeptabel, als das ungeordnete, vernunftwidrige Schicksal. Noch heute legen wir mit dem Ausdruck &#8222;Naturgesetz&#8220; ein ausgepr\u00e4gtes Harmoniebed\u00fcrfnis an den Tag. Hier die Gesellschaft, dort der Naturzustand &#8211; und beide verbindet ein &#8222;Gesetz&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;Ist das nun Glaube, Aberglaube oder Unsinn? Soll man die Interferenz von Natur und Gerechtigkeit feiern oder entflechten? Die Frage selbst ist fehlerhaft. Sie tut so, als ob es zwei wohldefinierte Gebiete g\u00e4be, die quasi in diplomatische Beziehungen miteinander eintreten. Aber Begriffe sind Abstraktionen. Wenn wir ein Teilgebiet der Erfahrung als &#8222;Natur&#8220; kennzeichnen, k\u00f6nnen wir uns auch einfallen lassen, wie es zu anderen Segmenten der Lebenswelt steht. Nat\u00fcrlich kommt es dabei zu Spannungen. Ein Beispiel: &#8222;Menschenrechte&#8220;. Sie sollten naturgegeben und f\u00fcr die Weltgesellschaft verbindlich sein. Ein faszinierender Entwurf. Oder ist es des Guten zuviel?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;Geschrieben f\u00fcr das Kunstprojekt&nbsp;Operation Figurini&nbsp;von Christoph Steinbrener. &nbsp; Begriffe k\u00f6nnen einander erg\u00e4nzen wie Masse und Medien. Oder sie sto\u00dfen einander ab: Demokratie und Diktatur. Eine andere Variante sind spannungsgeladene Zusammenstellungen, etwa Kirche und Staat, Geist und K\u00f6rper, auch Natur und Gerechtigkeit. Fl\u00fcchtig betrachtet liegen physische Abl\u00e4ufe und Rechtsordnungen so weit auseinander, da\u00df \u00dcberschneidungen fehlen. 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