{"id":729,"date":"2016-09-18T13:13:11","date_gmt":"2016-09-18T13:13:11","guid":{"rendered":"http:\/\/krach.philo.at\/?page_id=729"},"modified":"2016-09-18T13:13:11","modified_gmt":"2016-09-18T13:13:11","slug":"islamismus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrachovec.philo.at\/?page_id=729","title":{"rendered":"Islamismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Herbert Hrachovec: Islamismus<\/strong><\/p>\n<p>Lessings Ringparabel ist ein hilfreicher Bezugspunkt in der Auseinandersetzung \u00fcber Absolutheitsanspr\u00fcche. Es war einmal ein Ring, der von selbst Ansehen und Macht verlieh, doch heute sind mehrere nicht unterscheidbare Exemplare im Umlauf. Lessing empfiehlt unter diesen Umst\u00e4nden den Verzicht auf die Suche nach dem Original. Die Zeit m\u00f6ge entscheiden.<\/p>\n<p>Religi\u00f6ser Fundamentalismus ist eine pointierte Gegenreaktion. Die Parabel l\u00f6st das Problem des richtigen Lebens, indem sie den R\u00fcckgriff auf Urspr\u00fcnge blockiert und den Fortschritt der Menschheit anvisiert. Aus integralistischer Sicht ist das ein Ablenkungsman\u00f6ver. Das Weichzeichnen ideologischer Differenzen ist eine bequeme Art, sich der Festlegung auf die eigene Herkunft zu entziehen.<\/p>\n<p>Beide Einstellungen existieren in historischen Konstellationen. Der Islamismus erhebt seinen Einspruch gegen die Ungl\u00e4ubigkeit im Rahmen der post-kolonialistischen Hegemonie westlicher Wirtschaft- und Milit\u00e4rmacht. Er ist keine traditionelle Doktrin, sondern eine Antwort auf die traumatische Dynamik des s\u00e4kularistischen Erfolgsprinzips der europ\u00e4ischen Neuzeit. Fortschritt sollte f\u00fcr alle Menschen gelten, de facto reicht er nur f\u00fcr wenige.<\/p>\n<p>Im Einflu\u00dfbereich von Marokko bis Pakistan treffen K\u00f6nigsh\u00e4user und Staatsparteien, die teilweise am neo-liberalistischen Waren- und Gedankenaustausch teilnehmen, auf islamisch gepr\u00e4gten Widerstand. Er greift auf die religi\u00f6se Tradition zur\u00fcck, gewinnt seine Sch\u00e4rfe aber aus einer aktuellen Analyse der globalen Machtverh\u00e4ltnisse. Die zentrale Kritik betrifft den Anspruch des Westens, in Glaubensdingen neutral und im Hinblick auf die Weltordnung gerecht zu sein. Das sind f\u00fcr Islamisten leere Worte, hinter denen sich Herrschaftsinteressen verbergen. Der Kollaboration nationaler F\u00fchrungsschichten in ihren Heimatl\u00e4ndern setzen sie eine Art Selbstbehauptung entgegen. Scharia bedeutet &#8222;der rechte Weg zur Wasserstelle&#8220; &#8212; unerl\u00e4\u00dflich in der W\u00fcste.<\/p>\n<p>Die innere Stimmigkeit ihres Glaubenssystems ist f\u00fcr die Vertreter der islamischen Erneuerung dem Taktieren des Westens und seiner Erf\u00fcllungsgehilfen in der 3. Welt vozuzuziehen. Pers\u00f6nliche Integrit\u00e4t, soziales Engagement und Erf\u00fcllung der religi\u00f6sen Gebote bieten den Orientierungsrahmen. Anst\u00e4ndigkeit ist nicht immer gewaltfrei. Sie eignet sich als Waffe gegen Fremde, besonders wenn sie als Bedrohung empfunden werden. Der Abstecher zum echten Ring f\u00fchrt \u00fcber Opfer und Tod.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>Unter der Adresse schriftenreihe@vontobel.ch ist (gratis) eine lesenswerte Brosch\u00fcre von Rudolph Chimelli \u00fcber den Islamismus zu bestellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herbert Hrachovec: Islamismus Lessings Ringparabel ist ein hilfreicher Bezugspunkt in der Auseinandersetzung \u00fcber Absolutheitsanspr\u00fcche. Es war einmal ein Ring, der von selbst Ansehen und Macht verlieh, doch heute sind mehrere nicht unterscheidbare Exemplare im Umlauf. Lessing empfiehlt unter diesen Umst\u00e4nden den Verzicht auf die Suche nach dem Original. Die Zeit m\u00f6ge entscheiden. 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