{"id":735,"date":"2016-09-18T14:28:48","date_gmt":"2016-09-18T14:28:48","guid":{"rendered":"http:\/\/krach.philo.at\/?page_id=735"},"modified":"2016-09-18T14:28:48","modified_gmt":"2016-09-18T14:28:48","slug":"selbstbedienungsladen-internet","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrachovec.philo.at\/?page_id=735","title":{"rendered":"Selbstbedienungsladen Internet?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Herbert Hrachovec: Selbstbedienungsladen Internet?<\/strong><\/p>\n<p>Pr\u00e4gnante Namen f\u00fcr Internet-Dom\u00e4nen werden knapp. Im Herbst 1999 hat mir ein Gesch\u00e4ftsmann die Bezeichnung ,,philosophie.at&#8220; vor der Nase weggeschnappt. Mein Webserver l\u00e4uft seither unter ,,philo.at&#8220;, ebenso die Mailing List ,,register&#8220;, philosophische Informationen f\u00fcr den deutschsprachigen Raum. Das ergab folgendes Problem: Sollte ich dort eine Notiz \u00fcber die ,,Konkurrenz&#8220; verbreiten?<\/p>\n<p>Inhaltlich war es keine Schwierigkeit. Der steirische Unternehmer pr\u00e4sentiert &#8212; in werbewirksamem Web-Design &#8212; Verpackung ohne Inhalt; die Wiener Seiten tendieren zum Gegenteil: in schlichter Aufmachung Philosophie in Arbeit. Eine Frage des Stils: Informieren? Nicht einmal ignorieren? Polemisieren? Ich verschickte eine sorgf\u00e4ltig formulierte Ank\u00fcndigung. Zwei Abs\u00e4tze stellten das Projekt vor, ein dritter lie\u00df meine Parteilichkeit und die Kritik erkennen.<\/p>\n<p>So weit, so gut, aber es handelt sich um Kommunikation im Internet. Die E-Mails, welche die Subskribenten von ,,register&#8220; erhalten, sind gratis und in gewisser Weise so herrenlos wie eine Postwurfsendung. So sieht das jedenfalls jener Kollege, der seit l\u00e4ngerem Nachrichten aus ,,register&#8220;, mit anderen Neuigkeiten vermischt, ohne Quellenangabe an einen kleinen Kreis von Interessenten schickt. Meinetwegen; Information ist frei. Wer wird so kleinlich sein und angesichts des epochalen Innovationsschubs auf Herkunftsnachweisen insistieren?<\/p>\n<p>Dieses eine Mal fand ich es trotzdem \u00e4rgerlich. Nicht nur, da\u00df der Kollege die Mitteilung w\u00f6rtlich \u00fcbernahm &#8212; den dritten Absatz hatte er gestrichen. Wollte man es theatralisch sagen: eine doppelte Kastration. Erstens die Enteigung des Beitrags durch das Wegschneiden des Namens und zus\u00e4tzlich die Verst\u00fcmmelung des damit herkunftslosen St\u00fccks. Der eine Einschnitt bedingt den anderen. Texte, in denen ein Subjekt spricht, sind umzuschreiben, wenn die Unterschrift gekappt wird. Darin unterscheiden sie sich von Plakaten.<\/p>\n<p>Die kleine Episode ber\u00fchrt im Moment flie\u00dfende \u00dcberg\u00e4nge zwischen Netiquette, Copyright und Konsumentenschutz. Die Illustration dieser Zusammenh\u00e4nge bed\u00fcrfte eines ernsthafteren Beispiels. Ein Aspekt wird allerdings auch an Hand des genannten Beispiels deutlich. Die Produktion von Texten, Bildern und T\u00f6nen ger\u00e4t durch die M\u00f6glichkeiten des Internets in eine ver\u00e4nderte Situation. Es bedarf eines einzigen Befehls, um in k\u00fcrzester Zeit die letzten Jahrg\u00e4nge on-line verf\u00fcgbarer Journale rekursiv auf die eigene Festplatte zu speichern. Die literaturwissenschaftliche Textkritik hat ein neues Anwendungsgebiet gefunden. Programme untersuchen, welche Passagen einer Diplomarbeit unausgewiesen aus elektronisch verf\u00fcgbaren Quellen entnommen sind.<\/p>\n<p>Instinktiv sind viele Beteiligte usicher. Das Internet l\u00e4\u00dft sich als riesiger Steinbruch betrachten; wie Ruinen aus der Glanzzeit des r\u00f6mischen Reiches, die im Mittelalter Material f\u00fcr H\u00e4user lieferten. Andererseits ist die Vorstellung, das Kolosseum h\u00e4tte sich zur G\u00e4nze in Wohnbauten aufgel\u00f6st, nicht gerade attraktiv. Das Bed\u00fcrfnis nach ,,Architekturdenkm\u00e4lern&#8220; bzw. ,,ber\u00fchmten Schriftstellerinnen&#8220; scheint in demselben Ma\u00df zu steigen, in dem die Hemmschwelle gegen Plagiate f\u00e4llt. Die Rechtsabteilung und der Verkauf werden das anders sehen, doch f\u00fcr bewegliche Autoren ist es ein Erfolg, plagiiert zu werden.<\/p>\n<p>Was ist ein verschwundener Absatz gegen die Eintr\u00e4ge in der Konfigurationsdatei des Mail-Servers, der eine solche digitale Selbstbedienung erst erm\u00f6glicht?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herbert Hrachovec: Selbstbedienungsladen Internet? Pr\u00e4gnante Namen f\u00fcr Internet-Dom\u00e4nen werden knapp. Im Herbst 1999 hat mir ein Gesch\u00e4ftsmann die Bezeichnung ,,philosophie.at&#8220; vor der Nase weggeschnappt. Mein Webserver l\u00e4uft seither unter ,,philo.at&#8220;, ebenso die Mailing List ,,register&#8220;, philosophische Informationen f\u00fcr den deutschsprachigen Raum. Das ergab folgendes Problem: Sollte ich dort eine Notiz \u00fcber die ,,Konkurrenz&#8220; verbreiten? Inhaltlich&hellip; <a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/hrachovec.philo.at\/?page_id=735\">Read More<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-735","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hrachovec.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/735","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hrachovec.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/hrachovec.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hrachovec.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hrachovec.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=735"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hrachovec.philo.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/735\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hrachovec.philo.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=735"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}